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Megaphon
12. September 2007 11:13Uhr von heilige_hippe

Heiligendamm 2007

Reddelich- das Camp, dass einen Vertrauensvorschuss gibt/ von Ulli

Als ich am 31. Mai im Reddelicher Camp eintraf und mehrere Säcke doppelt und dreifach verpackter Soja-Steaks auslud, die ich noch schnell für eine der Vokü’s im Real in Polen gekauft hatte, da dachte ich deprimiert: so anders ist diese Welt, die wir hier angeblich leben wollen nun auch wieder nicht. Nach 10 Tagen Reddelich sollte ich anders denken.

Die – berechtigt oder übertriebene (darüber lässt sich streiten) – Ablehnung einiger Leute gegenüber Presse hatte dazu geführt, dass im ganzen Camp keine Journalisten unterwegs sein durften. Umso wichtiger ist es jetzt im Nachhinein, darüber zu berichten, wie unser Alltag im Camp zwischen dem 1. und 10. Juni 2007 ausgesehen hat.

Natürlich lief nicht alles perfekt, aber ich möchte ein paar Dinge beschreiben, die meiner Meinung nach verdienen, dass über sie berichtet wird.
In vieler Hinsicht stand das Campleben sehr wohl im Kontrast zu den Denkweisen und Einstellungen, die hinter den G8-Treffen stehen und häufig wie Naturgesetze behandelt werden à là „there is no alternative“.
In den Strukturen der Camps wurde das Prinzip des Vertrauens direkt verankert: so gab es keinen verpflichtenden Campbeitrag und auch keinen Festpreis für das Essen, sondern es wurden lediglich Vorschläge gemacht, wie viel jeder geben sollte, damit die Ausgaben gedeckt werden. Was die Küchen betrifft, so weiß ich, dass die Finanzen am Ende sogar Überschüsse reinkamen. Hier geht es um gut 10.000 Leute, die in Reddelich, Rostock und Wichmannsdorf ca. eine Woche lang gewohnt haben. Man stelle sich eine Kleinstadt von 10.000 Einwohnern vor, wo in den Läden per Spende bezahlt wird, jede/r so viel sie/er geben kann und mag!

Auch sonst war eine sehr große Offenheit und Hilfsbereitschaft unter den Leuten zu spüren. Irgendwie haben alle auf ein Ziel hin gearbeitet - auch wenn es über das WIE ganz verschiedene Ansichten gab.
Für viele von uns war das Camp eine Art zu Hause: abends von der „Arbeit“ (in Form von Blockade oder Demo) heimkommen, in einer der leckeren Voküs ein warmes Abendbrot abfassen und später noch mit ein paar Leuten auf ein Bier in die Bar oder vor den Fernseher zum G8-TV.

Das gesamte Camp hatte eine beeindruckende Infrastruktur: für kulinarische und mediale Versorgung war praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit gesorgt. Man konnte sich ziemlich unkompliziert überall einbringen – die Strukturen so angelegt, dass spontanes Mitmachen genauso geschätzt wurde wie vorheriges Mitplanen- auf beide Personengruppen wurde spekuliert und es ging insgesamt recht gut auf. Diese Option des Mitmachens wurde nicht nur von den deutschen Campbewohnern genutzt sondern auch von denen, die aus anderen Ländern angereist waren - mit der gleichen Selbstverständlichkeit.

Anstrengend fand ich persönlich die allabendlichen Plena, die häufig erst zu Ende waren, wenn keiner mehr konnte. Manchmal gab es so viele Dinge, die alle ganz wichtig zu sein schienen und es machte den Anschein, als würden alle bis zum Hals in einem Informations-Sumpf stecken. Vor allem die Angst vor einer möglichen Räumung des Camps, die von Hubschrauber- und Tornadolärm geschürte Nervosität und so manche Fehlinformation, die sich per Buschfunk verbreitete, belasteten die Stimmung im Camp. Und natürlich hatten viele Leute heftige Erlebnisse außerhalb des Camps gehabt – brachten entsprechende Gefühle und Gedanken mit zurück ins Camp.

Das soll jetzt nicht einseitig wirken – schließlich gab es gelungene Aktionen, damit verbundene Freude und Euphorie. Krass waren die Geballtheit der Informationen und die Extreme, die häufig einander folgten und die fehlende Zeit, all das so schnell zu verarbeiten.
Mich hat das Zusammenleben mit so vielen engagierten Leuten sehr bereichert und ich glaube, da spreche ich nicht nur für mich.

G8 Eingangstransparent


Bericht vom G8 /von Clemens

Mehrere Tage sind wir vom SPEAK Netzwerk am Protest gegen den Gipfel der G8-Staaten beteiligt gewesen. Neben unserem Chillout-Zelt im Camp in Reddelich waren wir auch an den Blockaden beteiligt.

07.06. später Nachmittag, Hinterbollhagen, Blockade des West Gates.

Zu zweit waren wir bei strahlendem Sonnenschein von Bad Doberan aus einige Stunden unterwegs gewesen. Ausgestattet mit self-made Engelsflügeln aus mit Goldfolie umwickelten Pappkarton, die wir wahlweise auf dem Rücken oder unter dem Arm trugen. Unter großer Vorsicht waren wir hierher gewandert, fest damit rechnend auf staatliche Gegenmaßnahmen zu treffen. Doch niemand war an uns interessiert.

An der Blockade angekommen, galt unser erster Gedanke der VoKü, die – sehr genial! – auch hier vor Ort war. Doch mit Essen war nicht viel, war doch die Staatsmacht schwer bemüht, die Blockade baldigst abzuräumen: Mit einer Batterie von neun in Reihe geschalteten Wasserwerfern sollte sich das als einfach für sie erweisen.

Vor dem „Wasser Marsch!“ eine Ansage der Polizei, sinngemäß: „Wir bitten die anwesenden Journalisten, aus dem Weg zu gehen, weil wir nicht für Ihre körperliche Unversehrtheit garantieren können.“ Immer wieder versteht es die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Einsatzleitung „Kavala“ mit Ihrem ausgeprägten Sinn für Satire zu überraschen.

Blind hielten die Kanonen der Wasserwerfer auf die Reihen der Blockierer. Schreien, Schubsen, Knüppeln nach Lehrbuch. Aufstandsbekämpfung in einer vermeintlichen Demokratie. Wieder einmal frage ich mich: Was geht bloß in denen vor? Wie können die einfach nur Befehle ausführen, ihren Job machen, voller Menschenverachtung?!

Inmitten der wirren Szenerie eine Abteilung der Clownsarmy, die hier Schwerstarbeit leistet.

Das Rezept:

  • 1 Kasten Schminke
  • 500 ml Wasser (zur allseitigen Auflockerung und Abkühlung)
  • 777 subversive Einfälle
  • gepaart mit einer kräftigen Prise Ironie.

Unverzichtbar: min. eine Hand voll MitstreiterInnen

Das ganze gut schütteln und nach Leibeskräften vermengen. Ich habe tiefsten Respekt vor diesen Clowns, danke Gott, für solch coole Menschen:)

Bald treffen wir noch weitere SPEAKers, ich bin froh und dankbar darüber, fühle mich am richtigen Platz hier. Dieser Platz ist der Protest, ist dort wo Menschen anderen Menschen sagen: „Ey!! Ya basta! Es reicht! Ihr könnt nicht noch mehr von Gottes Schöpfung kaputt machen! Nicht noch mehr Rechte ignorieren!“

Gott ist wahnsinnst verliebt in seine Schöpfung, in jeden von uns. Es ist die Aufgabe von uns, seinen Kindern, diese Schöpfung zu bewahren.
Im Gebet, auf der Straße, im Alltag.
G8 Eingangstransparent


OUR CALL TO THE G8

1 “Shout it aloud, do not hold back. Raise your voice like a trumpet. Declare to my people their rebellion and to the house of Jacob their sins….
6 Is not this the kind of fasting I have chosen: to loose the chains of injustice and untie the cords of the yoke, to set the oppressed free and break every yoke? 7 Is it not to share your food with the hungry and to provide the poor wanderer with shelter— when you see the naked, to clothe him, and not to turn away from your own flesh and blood?
8 Then your light will break forth like the dawn, and your healing will quickly appear; 
then your righteousness will go before you, and the glory of the LORD will be your rear guard. 9 Then you will call, and the LORD will answer; you will cry for help, and he will say: Here am I.
If you do away with the yoke of oppression, with the pointing finger and malicious talk, 10 and if you spend yourselves in behalf of the hungry and satisfy the needs of the oppressed, then your light will rise in the darkness, and your night will become like the noonday.
(Isaiah 58:1, 6-10)

God challenges us to practically serve him by standing up against disenfranchisement, exploitation and impoverishment and supporting justice. The contents of the Bible teach that the result of belief should not only be compassion in your personal everyday life, but also to be part of standing up for justice politically and denouncing publicly the sins of our society.

The problem with the G8
From 6th -8th June 2007 in Rostock Heiligendamm, representatives of the 8 most powerful industrial nations in the world will meet to make informal agreements about the world’s economy and politics.

The G8 is an institution without legitimacy
In the countries of the G8 (Germany, Great Britain, France, USA, Canada, Italy, Japan and Russia) live only 13.5% of the world’s population, but they constitute 50% of world trade, and 60% of all military expenditure worldwide. Because of this, a large proportion of the world’s institutional, economic and military power is concentrated in these 8 countries.
The G8 is a club of governments that claim the right to make decisions about the realities of life for people across the whole earth! These decisions are not made in the interests of all people, but rather to serve the interests of the rich industrialised countries making them.
The G8 try to defend and build up the advantages they have as countries most favoured by investors in the global competition. This is seen particularly in their requirements for the one-sided removal of all market entry and trade barriers by poor nations (as a condition of aid or debt relief) – this includes import tariffs and other taxes, and “market restricting regulations? which often includes social and environmental standards. The G8 concentrates these requirements on the industries in which G8 countries are strongest, and poorer countries are weaker. This is why we see the G8 as an institution that firstly is not democratically legitimate, and secondly strengthens even more the current social and economic injustice.

The G8 supports structural sin
THe G8 stands for politics which pits everyone against everyone else in global competition (in contrast to the Biblical principle that “it is more blessed to give than to receive? Acts 20:35) The governments of the G8 countries are building on structures based on selfishness and mistrust: that is, upon separating people from each other and God. The neoliberal ideology that lies behind this variety of politics comes in principle from the same source as Darwinism – survivial of the fittest – but this is in stark contrast to God who never gives up on anyone, and the weakest in particular are always able to call on his help.

When the G8 talk of debt relief and aid programmes for the poor, it hides the fact that huger, poverty and the debt crisis are results of exactly this kind of politics (details can be found on www.speak-netzwerk.de) The consequences of an ever more blatant intensification of competition are social breakdown, an ever increasing division between rich and poor, hunger, the desturction of creation, terrorism, torture and wars in order to secure access to the remaining resources, and by struggling against the competition to avoid being one of the world’s “losers? tomorrow. This dominant principle of mistrust and competition produces fear and worry for one’s existence globally, as a society and as individuals, but not trust, love, mutual giving to one another… the principles of God.

The G8 summit – a symbolic demonstration of power

For years, the G8 has met in closed enclaves, protected by a massive security operation. Against the protests of hundreds of thousands of people from all over the world they say: “There is no alternative to the current world order?.
Through practically loving our neighbours and active solidarity with them, as much as through prayer and common action, we want to overcome this false perception of there being no alternatives. We want to take part in the struggle for all to find Jesus’ love, justice and the peace of the Kingdom of God!

Therefore we are calling you to follow Isaiah’s call and be a loud voice for those who are not heard, for the poor, for the disenfranchised. We challenge Christians of all churches and denominations to stand up for a world in which people can live their lives with dignity, for a just distribution of the riches of this earth and for a society in which material prosperity is not allocated by competitive selection principles, but is available to all, whatever their background.

We call on you to demonstrate God’s love for this world through loving solidarity with the growing numbers of people, both in the so-called Third World and in the shady side of our own societies, who stand to lose their work, their homes, their health or their lives because they are surplus to the requirements of maximising profit, or stand in the way of that profit. We call on you as Christians no longer to remain passive, but to take a stand against a world order that is supported and rewarded by division, competition and war. Christians: to Heiligendamm!

What you can do:

Pray!
As a network of people that understands Jesus Christ as the basis and starting point of our dealings with the world, it is important to us that all our actions are founded upon prayer and intensive times with God. God promises to us in the Bible that prayer really can change politics and people, and is a real force that works something in us and our world. (Matt 7:7-11)

Therefore pray:
for the politicians that will meet in Rostock Heiligendamm
for the thousands of activists from movements critical of globalisation that are coming from all over the world to Germany to express their opposition to the politics of the G8
Pray for all the people of the Third World that suffer most under the economic policies of the G8
Ask God for forgiveness that we contribute directly to the poverty of our brothers and sisters in the Third World through our behaviour as consumers and by our support for the politics of exploitation. Let yourself be changed by God on this point!
Pray for Christians that take part in protests around the world and that God and Jesus will be glorified at this summit and in the actions of Christians.

And act!

Spread the word!

Start to consider the possiblities to be political “salt of the earth? with the people in your area. WE are ready to be reference points on issues such as globalisation, neoliberalism, the theological basis of political involvement and economic ethics, climate change and environmental politics, poverty here and in the so-called “Third World?, fairer trade and alternatives to neoliberal globalisation.
We are ready to be avilable so that if more information is needed in your community or group, we can help you put on various events, workshops, talks or themed evenings (more on that soon under www.speak-netzwerk.de)

Take part in our preparations for the G8 actions – we are looking forward to working together before and during the summit on suggestions and ideas, prayer, taking forward other Christians’ creative actions and on budgeting and logistical support.

Sign the Christian call to protest at the G8!
This call from brothers and sisters from many different countries, but particularly from so-called Third World countries appeals to all Christians and communities to be a public, effective and loud voice at the G8 Summit. A voice for a fairer world, for peace, sharing and in solidarity with our brothers and sisters from the so-called developing world, that usually have the most to suffer from the consequences of neoliberal globalisation. This call can be signed online at
www.itpol.de

Fairtrade!
Think about the production methods that the things you consume have to go through, and buy fairly traded products!

Come to the protests!

There are various Christian actions and hubs/contact points planned for the G8 summit which you can get involved with. For exact dates, content and the position of the organisation you can check our website

Christian bloc at the big demonstration
There is probably going to be a Christian bloc at the major demo on 2nd June in Rostock, that can act simultaneously as a meeting point for exchanging news and opinions, a place for sharing prayer and for planning further actions together.

Chill-Out and Prayer Tent
At the camp there will probably be a chillout/prayer tent. This tent is a hub for Christians of all backgrounds and among other things will be a place to serve those who are part of the demo: being personally involved with the problems of the world and striving for a better one is pretty stressful, so we want to offer space where people can enjoy peace, relaxing, drinking tea and receiving prayer or encouragement.

Alternative Summit
To go further, there will be various Christian organisations at the Alternatuive Summit in Rostock 5th – 7th June. This is about putting forward alternatives to the predominant neoliberal ordering of the world economy. We are of the opinion that we as Christians have found a real alternative to the stuggle against everyone else in a competitive economic system, namely the love of Gopd for people that he showed most powerfully in Jesus.

Based on this love, there are Christians in many different parts of the qworld that have already started living in various forms of community and social enterprise, and in that have been a decades-long challenge to the rest of us. We want to use our events to present these alternatives in public, and connect people involved in them to each other.

Service on 3rd June in Bad Doberan
The working group “ Service and Spirituality? of the protestant Church of Mecklenburg plans to hold a service on Sun 3rd June in Münster von Bad Doberan (5km from Bad Doberan) that will probably be broadcast at midday. In this service, 3000 candles will be lit for the children who will lose their lives on that day as a result of their poverty – because they are undernourished, have no clean drinking water or suffer from preventable diseases. We intend that representatives from 100 areas around Heiligendamm (from Lübeck to Greifswald and other areas next to the Baltic Sea) will each bring 300 candles and at Heiligendamm build a “holy dam of prayers for the impoverished people of the world.

Support for other activists and actions
At this point we want to explicitly call for support for the actions of other activists. We consider ourselves part of a worldwide movement that protest against globalisation that keeps the rights and privileges of the most powerful, and stand up for a world of living together with respect.

THe aim is therefore NOT ti force other activists to join in activities based on a Christian understanding against their will, but to stand together with them for justice. Exactly this struggle for justice will make the message of the gospel believable among activists, and offer God’s love to people. We want to truly live St Francis’ advice “Preach the gospel at all times. Use words if necessary?
We want to preach the gospel in Heiligendamm through prayer, through action and through caring for people who have been fighting for justice with all their heart for years. That following the way of Jesus does not correspond to any form of discrimination on the grounds of appearance, ethnic origin, gender or sexual orientation is to us self-evident.

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